Grizzly, sag Hallo!

Nannerl Wenger vom Verein Kibello
besucht mit ihren Hunden junge
Patienten im Salzburger
Kinderspital. Die gutmütigen
Golden Retriever helfen den Kindern
wieder gesund zu werden.


Say hello!“ (auf Deutsch „Sag Hallo!“) ruft die 10-jährige Vanessa dem Hund Etual zu – und dieser gibt ihr brav die Pfote. Auch Hündin Stella weiß, was sie zu tun hat, wenn Philipp ihr ein „Stay!“ („Bleib!“) anordnet: Die semmelblonde Golden-Retriever-Dame bleibt stehen und rührt sich nicht mehr von der Stelle, bis der 13-Jährige sie wieder zu sich kommen lässt. Und auch Grizzly folgt Annas Aufforderung, das Leckerli zu suchen, das sie für ihn bei einem Steinhaufen versteckt hat, und schnappt vorsichtig nach dem Happen . . .


Wir befinden uns im Kinderspital, in dem gerade eine Hundebegegnung stattfindet. Die Golden Retriever Stella, Grizzly und Etual gehören zum Verein Kibello, der mit kranken Kindern und Hunden arbeitet. „Die Tiere müssen gut für solche Einsätze geeignet sein. Sie sollen besonders freundlich, kinderlieb und sanft sein. Und natürlich sollen die Hunde den Kommandos folgen“, erklärt Nannerl Wenger, die Leiterin des Vereins. Dass diese Hunde wirklich besonders liebe Tiere sind, erlebt man während einer solchen Stunde ganz deutlich. Diese beginnt damit, dass sich jedes Kind einen der drei Golden Retriever aussuchen darf. Da dieses Mal sechs junge Patienten an der Therapie teilnehmen, werden zwei Gruppen gebildet – zuerst machen sich Elena (17 Jahre), Gerald (6) und dessen 3-jährige Schwester Nicole auf den Weg: Heute ist ein Spaziergang Richtung Mirabellgarten geplant.


Doch bevor es losgeht, erzählen die Kinder dem wu-wa-wi-Reporter noch etwas ganz Wichtiges: „Jeder Hund hat zwei Namen – einen Befehls- und einen Dienstnamen. Wenn wir nur über ihn reden, ihm also kein Kommando geben, nennen wir ihn beim Dienstnamen. Wollen wir aber, dass er etwas tut, benützen wir seinen Befehlsnamen.“ So ist zum Beispiel Grizzlys Dienstname „Der Bär“.

Dank dieses kleinen Tricks erkennt der Retriever deutlich, wenn ein Befehl an ihn gestellt wird und bekommt gar nicht mit, wenn über ihn gesprochen wird – das würde ihn nämlich verwirren.
´Während des Spazierganges verteilt Nannerl Wenger kleine Aufgaben an ihre Schützlinge. Die Kinder erkennen dabei, dass die Hunde ganz entspannt mit ihnen spielen und ihnen aufs Wort gehorchen. Für sie ist das ein großes Erfolgserlebnis. Nach etwa einer Dreiviertelstunde kehren Nicole, Elena und Gerald wieder zum Kinderspital zurück. Nun ist die zweite Gruppe, bestehend aus Philipp, Anna und Vanessa, an der Reihe. Ihr Weg führt sie zu dem kleinen Krankenhauspark, wo die drei mit Feuereifer mit den Hunden arbeiten. Und auch den Golden Retrievern sieht man die Freude an: Stella, Etual und Grizzly sind begeistert dabei und lassen sich nicht einmal von fremden Artgenossen ablenken.

Die Golden Retriever kennen keine Vorurteile

Der Verein Kibello besucht einmal in der Woche verschiedene Abteilungen im Kinderspital. Oberarzt Dr. Adrian Kamper erklärt, dass die Hunde für die Kinder zu guten Freunden werden: Die Golden Retriever begegnen ihnen ohne Vorurteile, und Schwächen der jungen Patienten sind ihnen egal. Stella, Grizzly und Etual gehen ganz unbefangen auf die Kinder zu. Zu den Aufgaben von Kibello – gemeinnütziger Verein für Begegnungen von Kindern und Hunden – gehört nicht nur der Besuch junger Patienten im Kinderspital. Kibello bietet auch „Hundeschulstunden“ an. In diesen können Kinder und Jugendliche – vom Kindergartenalter bis zur Matura – viel Wissenswertes über den Umgang mit Hunden lernen.
Informationen zur Arbeit des Vereins, den es seit Juni 2007 gibt, und seinen Angeboten findet ihr unter www.kibello.org.

MICHAELA HASSLACHER
Bild: SN/ANDREAS KOLARIK

den Artikel als pdf gibt es hier
zurück